5 Lifehacks, nach denen du keine Lifehacks mehr brauchst

Lifehacks sind toll, versprechen sie doch schnelle Lösungen auf Probleme, die wir alle kennen. Leider ist es oft so, dass die kleinen Tipps nur funktionieren, wenn man Geld, Zeit und Können mitbringt. Was die Anzeichen für miese Lebenstipps sind und 5 endgültige Lifehacks, nach denen ihr nie wieder welche braucht, findet ihr hier.

Ich habe eine Schwäche für Lifehacks. Die Möglichkeit, dass kleine Tipps meine Alltagsaufgaben erleichtern oder gar verschwinden lassen können, finde ich so grandios, dass ich auf jeden Link und jede Anzeige klicke, die mir verkündet, dass ich etwa Eiswürfel all die Jahre falsch verwendet habe.

Neben der Frage, ob die Welt in den nächsten Jahren untergeht, weil einer der größten Industriestaaten der Welt einen neuen, nicht ganz so kompetent wirkenden Führer hat, schwirrt in meinem Kopf genauso herum wie die Frage, wie viele Jahre ich wohl noch mit meinen Großeltern sprechen werde können.

Und obwohl mich beides wirklich beschäftigt, ist es dennoch die Frage „Wie kann ich [lästige Tätigkeit hier einsetzen] möglichst knapp halten, um noch was vom Tag zu haben?“ die, die den größten Teil meines Denkens einnimmt.

Wenn mir dann Lifehacks versprechen, sie würden meinen Alltag leichter machen, ist das zunächst Balsam auf meiner zwischen „Schon wieder dreckiges Geschirr waschen?!“ und „Wo kommt dieser Haufen Schmutzwäsche her?!“ zerriebenen Seele.

Stellt sich aber heraus, dass diese Tipps nur so tun, als wären sie leicht und schnell umzusetzen, in Wirklichkeit aber für ihre Umsetzung eine Tischlerausbildung, fünftausend Euro und ein halber Heimwerkermarkt gebraucht wird, werde ich pissig.

3 Anzeichen für Lifehacks der Kategorie Life-Dreck

  • Alles was mit Europaletten zu tun hat
    Ganz abgesehen davon, dass es in etwa so edgy und außergewöhnlich ist wie Ziegenkäse auf Salat, ist es auch einfach kein Lifehack. Denn niemand, wirklich niemand den ich kenne, hat einfach so ein paar Europaletten zuhause.
  • Alles was mit Klopapierrollen als Ordnungssystem zu tun hat
    Klar kann ich all meine Kabel in alten Klopapierrollen sortieren. Aber nach spätestens drei Mal herumsuchen, wo denn das verfluchte Mini-USB-Kabel ist, sieht das neue Ordnungssystem schmierig und abgefummelt aus. Und diese zwei Adjektive will ich in Verbindung mit Klopapierrollen nicht hören.
  • Alles, was die Worte Effizienz/CEO/Erfolg und Karriere in der Überschrift hat
    Wenn das Geheimnis zum Erfolg in einer Liste steht, die dein überehrgeiziger, aber auch unglaublich fauler Ex-Studienkollege gelikt hat, wette ich fünf Euro, dass es kein Erfolgsfaktor ist. Außerdem: Glaubt ihr wirklich, dass Marie Curie, Michelle Obama oder Angela Davies nur mit Tricks erfolgreich geworden sind?

5 endgültige Lifehacks

Je mehr Lifehacks ich lese – und ich habe wirklich, wirklich viele gelesen – desto mehr scheint es mir, dass sich all die Tipps und Tricks auf folgende Punkte reduzieren lassen:

  • Sei reich
    Bist du reich, kannst du dir jeden Scheiß kaufen. Und die Dinge, die du selbst basteln willst, bastelst du mit den richtigen Werkzeugen in einem Bastelraum. Und nicht mit UHU-Stick und Klopapierrollen auf dem Wohnzimmerfußboden, der komischerweise noch zwei Jahre später davon glitzert.
  • Sei arbeitslos
    Wenn du arbeitslos bist, hast du neben dem gesellschaftlichen Druck endlich einen Job zu finden – Hier bitte Altmännerstimme einfügen, die keift: „Wer arbeiten will findet doch einen Job, verdammt!“ – auch viel Zeit. Ich glaube, dass nur Menschen, die viel Zeit haben, auch wirklich all diese Kochtipps umsetzen können, die sich so im Internet tummeln und einem versprechen, dass die drei Tage gekochte Pastasauce viel besser schmeckt als die aus dem Barilla-Glas.
  • Gehör keiner Minderheit an
    Zugegeben, dieser Lifehack kommt weniger aus klassischen Buzzfeed-Listen à la „10 Tipps um effizienter zu arbeiten“ und mehr von den Politik-Seiten großer Tageszeitungen. Aber mir scheint, dass keiner Minderheit anzugehören, einem viel mehr Zeit gibt effizienter zu arbeiten. Anstatt etwa in der Arbeit zu beweisen, dass man echt was drauf hat, obwohl man eine Frau/lesbisch/Migrantin ist oder eine Behinderung hat, kann man als „normaler Mensch“ einfach gleich loslegen mit der Arbeit! DAS ist doch mal effizient!
  • Hab keinen Sex
    Viele Lifehacks beschäftigen sich mit Nachwuchs. Womit man ihn auf langen Autofahrten beschäftigt, was sie im Flugzeug alles machen können, wie man ihnen die schönsten Faschingskostüme bastelt. All das kann man sich ganz toll sparen, wenn man einfach nicht mit jemandem schläft und sich schwängern lässt. Passend dazu: Wer gar nicht flachgelegt werden will, muss auch nicht gut aussehen. Also gleich noch mehr Zeit im Badezimmer eingespart!
  • Akzeptiere, dass das Leben Leiden ist
    Keiner der Lifehacks sagt das ausdrücklich. Aber so manche zwingen einen zur Wiederholung unglaublich stupider, eintöniger Handlungen um dann schlussendlich irgendeinen Gegenstand zu produzieren, den man aber eigentlich gar nie in seinem Leben vermisst hat. Zunächst hat mich das geärgert. Aber die Dreistigkeit, mir keine stupiden Aufgaben abzunehmen, sondern mir neue einzureden, kann ich entweder auf pure Bösartigkeit oder eine tiefere und wahnsinnig bewundernswerte Form des Nihilismus zurückführen. In jedem Fall: Respekt.

All meinen Zynismus bei Seite: Es gibt sie sicherlich, die nützlichen, kleinen Ratschläge und Tipps, die unser Leben aber eben auch nur ein klein wenig besser machen. So lange man das im Hinterkopf behält und nicht erwartet, auf irgendeiner Webseite in zehn Punkten die großen Geheimnisse des Lebens aufgeschlüsselt zu bekommen, sind Lifehacks wie Traubenzucker vor einer schwierigen Prüfung: Es gibt einem einen Boost, aber ersetzt nicht die harte Arbeit des Lernens. Oder einen guten Schummelzettel.

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