Besserwissen: Ich klugscheißere um gemocht zu werden

Seid ihr schon mal neben einem Klugscheißer gesessen, der nur irgendwelche beliebigen „Fun Facts“ ausgekotzt hat? Ihr wolltet demjenigen am liebsten an die Gurgel springen? Der Sprücheklopfer war vielleicht ich. Als Entschuldigung für all die Male, als ich euch das Weiße aus den Augen genervt habe, habe ich über die Gründe für meinen Besserwissen-Modus geschrieben. 

Wusstet ihr, dass Michael Keaton eigentlich Michael Douglas heißt, aber sich unbenannt hat, weil es einen Schauspielers diesen Namens schon gab? Den Nachnamen „Keaton“ suchte er sich aus Respekt für Buster Keaton aus.

Als Kind habe ich geglaubt, man ist beliebt und erfolgreich, wenn man viel weiß. Das ist wohl etwas, was sich alle Kinder einreden, die ganz gut in der Schule, aber sozial etwa so begabt sind wie ein Kieselstein.

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass das Blödsinn ist. Wir wissen alle, dass selbst, wenn man alles weiß, man nicht automatisch beliebt, ja nicht mal erfolgreich ist. Und das ist gut so. Denn soziale Komponenten, wie Einfühlungsvermögen, Offenheit und Geduld zählen aus einem Guten Grund zu den Faktoren, die einen beliebt machen.

Schade ist aber, dass ich, sobald ich nervös bin oder mich unwohl fühle, ganz auf diese Grundregel vergesse.

Wusstet ihr, dass es Theorien gibt, dass Menschen theoretisch von Kartoffelpüree mit Butter leben könnten, ohne Mangelerscheinungen zu bekommen?

Wenn ich mit Menschen unterwegs bin, die ich nicht so gut kenne, fühle ich mich unwohl. So weit, so normal. Aber anstatt wie jeder zivilisierte Mensch Gemeinsamkeiten zu finden, oder einfach nur simplen Smalltalk zu führen, verfalle ich zuerst in Schweigen, weil ich nichts Dummes sagen will. Bis jemand etwas sagt, wozu sich ein winziges Fitzelchen Wissen in meinem Kopf findet. Dann hake ich mich ein und sage lauter – in meiner Vorstellung – kluge Dinge.

Solche Bemerkungen können unterhaltsam sein, aber die Leute auch einfach glauben machen, dass du ein Klugscheißer bist.

Apropos Klugscheißer: Wusstet ihr, dass der Begriff „Besserwisser“ auch in Schweden und Norwegen geläufig ist?

Und ich nehme es den Menschen, die mich schräg ansehen, nicht übel. Früher dachte ich, dass Menschen neidisch wären auf mein Wissen, auf meine Intelligenz. Heute würd ich mich gerne selbst in den Arm nehmen und sagen: „Niemand hat dich um deine verfluchte Meinung gefragt!“.

Denn das ist nämlich das eigentliche Problem: Während andere Menschen einfach nur reden oder etwas besprechen wollen, was ihnen wichtig ist, bekomme ich sowas wie Sprechdurchfall und lasse eine unnötige Information nach der anderen aus meinem Mund purzeln. Als würde nur die eine richtige Bemerkung, nur das eine Stück unnützen Wissens mich beliebt werden lassen.

Wusstet ihr, dass die einzigen beiden Portraits, die es von Jane Austen gibt, von ihrer Schwester gemalt wurden. Eines zeigt sie von hinten.

Leider hört es nicht auf damit, dass ich vermeintlich clevere Beiträge zu Unterhaltungen leiste. In besonders schlimmen Momenten bessere ich Leute aus. Jetzt kann man sagen: „Was ist so schlimm daran, wenn man Leute darauf hinweist, dass sie falsch liegen?“.

Wenn du es mit der Feinfühligkeit eines Traktors machst und dabei auch noch diesen verflucht überheblichen Ausdruck auf deinem Gesicht hast – den sogar dein bester Freund an einem guten Tag „Anas Ich-bin-klüger-als-du-Gesicht“ nennt – dann wirkt es nicht nett, oder hilfreich. Nein, es wirkt einfach belehrend. Und lasst es euch gesagt sein: Die Leuten stehen – zu Recht – nicht darauf belehrt zu werden.

Wusstet ihr übrigens, dass der „Gute Rutsch!“ gar nichts mit Rutschen zu tun hat? Es kommt eher vom jiddischen „Gut Rosch“, was eine Kurzform von Rosch ha-Schanah ist, dem jüdischen Neujahrfest.

Das hier ist kein „Die dummen, dummen Menschen verstehen meine Klugheit nicht!“-Post. Es ist eher eine Erklärung, warum ich klugscheißere. Nicht, weil ich glaube, dass ich die Klügste im Raum bin. Eher habe ich in manchen Momenten das Gefühl, nichts anderes zu einer Runde unglaublich cooler, liebenswürdiger und lustiger Menschen beitragen zu können, als die seltsamen Wissensfetzen in meinem Kopf.

Wenn ihr das nächste Mal neben jemandem sitzt und ihr habt das Gefühl, dass derjenige euch in vermeintlich klugen Wortmeldungen ertränken will, dann habt ihr jedes Recht ihn für einen Klugscheißer zu halten. Aber vielleicht versteckt sich hinter dem Besserwissen einer, der es in manchen Situationen einfach nicht besser kann.

 

8 Kommentare zu „Besserwissen: Ich klugscheißere um gemocht zu werden

  1. hi ana!
    diese eigenheit finde ich echt interessant, ich mag so random facts furchtbar gerne. leider habe ich als kind gedacht, ich muss mich blöd stellen, um gemocht zu werden. aber der innere streber hat überlebt! lieben gruß, lisi

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    1. Haha, schonmal darüber nachgedacht diese besserwisserei zu ergründen? es gibt gar nicht so viele Menschen die genau so sind und ständig nur Informationsflüsse im Kopf haben

      Das kann zum einen von der natürlichsten Erklärung kommen: „du bist einfach wirklich ein Streber und frisst Tag täglich Informationen in dich rein

      Zum anderen eher in der geistigen Ebene zu finden sein. Entweder durch eine sehr alte Seele oder eine nicht irdische Indigo Seele welche beide eventuell einfach so viele Informationen in ihren vielen Leben hatten und damit automatisch dein Hirn füttern

      Oder durch eine sehr starke Ausprägung des Kronenchakras welche dir Möglichkeiten zum unbewussten Kontakt mit der spirituellen Welt und den Energien des Universums ermöglicht

      Nur ein paar Theorien 🙂

      Gruß
      H2F

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  2. Schreibst du über mich? Ich bin auch so ein Klugscheißer und oftmals rufe ich vorher „Fun fact“ bevor ich los nerve. Ist mehr Fluch als Segen, wenn man sich den ganzen unnützen scheiß merkt und damit andere nervt obwohl man nur was interessantes los werden will 😀

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  3. Ich klugscheiße auch: d.h. ich verkünde Informationen („Perlen unnützen Wissens“ nennt das mein Bruder), weil ich mich im Grunde nicht traue, Smalltalk über Belanglosigkeiten zu machen. Insgeheim fürchte ich, meine Umgebung mit Smalltalk zu langweilen und glaube deshalb immer, nur (scheinbar) weltbewegende Informationen ausposaunen zu dürfen. (Und sicher wisst Ihr alle, dass Jane Austens Schwester Cassandra hieß…)

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