Warum muss ich mehr putzen als mein Freund?

Meine Freunde sagen: „Bei uns ist Hausarbeit gerecht aufgeteilt!“. Meine Freundinnen sagen: „Klar, putze ich mehr!“. Wie geht das? Ist Gleichberechtigung nicht längst schon da? Keine Sorge, dass hier ist kein Rant gegen „faule Männer“. Es ist vielmehr eine Liebeserklärung an Chlorreiniger. Und eine Kritik am System.

Mein Lieblingsgeruch ist Chlor. Nicht, weil ich Schwimmbäder mag, sondern weil ich DanKlorix liebe. Chlorreiniger bedeuten für mich Sauberkeit, Reinheit, Entspannung. Ich verwende wöchentlich einen halben, eigentlich freien, Samstag darauf, meine Wohnung zu putzen. Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer: Erst wenn alles aufgeräumt, überall gestaubsaugt und feucht mit DanKlorix gewischt worden ist, bin ich wirklich ruhig und entspannt.

Nun habe ich meine Wohnung mit jungen Männern geteilt, Mitbewohnern und Lebensgefährten. Unterschiedliche Typen, die aber ein paar Dinge gemein hatten: Gebildet und die Gleichstellung von Mann und Frau akzeptierend. Man freundet sich schließlich nicht mit Höhlenmenschen an. Was die Jungs noch gemeinsam hatten: Ihre Vorstellung von Sauberkeit unterschied sich von meiner. Im besten Fall waren es andere Vorstellungen, im schlimmsten Fall gab es gar keine Idee von Sauberkeit.

Wie jede junge Frau, die im Westen aufgewachsen ist, habe ich alle Beziehungsratschläge von BRAVO bis Cosmopolitan bis ZEIT und dem Süddeutsche Magazin gelesen. Der Grundtenor ist derselbe: Redet über eure Probleme. Ich habe also geredet. Zunächst sehr positiv und sehr partnerschaftlich über den Idealzustand einer Wohnung gesprochen. Bin Kompromisse eingegangen. Habe Aufgaben verteilt.

Ein paar Tage oder Wochen später dann der Sündenfall: Es war genauso wie vorher. Also noch einmal Gespräche. Dieses Mal etwas kürzer und knapper, aber immer noch freundlich. Danach erneuter Rückfall in die dreckigen Zeiten und wieder Gespräche. So lange, bis es keine Gespräche mehr gab, sondern nur noch knapper werdendes Meckern und Frustration auf meiner Seite. Die Wohnung sah dabei übrigens immer tip top aus. Denn obwohl ich geschimpft und gezetert habe, habe ich vor allem auch weiterhin (für zwei) geputzt.

Gesprächsrunden in meinem Freundeskreis ergeben, dass dort anscheinend weniger gezetert, aber nicht weniger von weiblicher Hand geputzt wird. Während Männer mir einhellig versichern, dass bei ihnen alles 50:50 getrennt ist, sagen meine Freundinnen, dass sie selbstverständlich mehr putzen. Denn er „sieht es ja nicht“ und es wird sowieso sauberer, wenn sie es selbst macht. Wir reden hier übrigens von Menschen unter 35, die mindestens einen Hochschulabschluss haben.

Woher kommt dieses auseinandergehen der Wahrnehmung, was die Beteiligung von Männern und Frauen an der gemeinsamen Haushaltsführung angeht? Es wird doch wohl nicht daran liegen, dass wir seit Jahren proklamieren, dass die Gleichberechtigung erreicht ist und alles was jetzt noch an Diskussionen kommt, zu viel des guten und sowieso unnötig sei? Und es wird doch wohl nicht die Gesellschaft von dieser Ungerechtigkeit profitieren?

Früher, als die Gleichberechtigung nämlich noch nicht erreicht war, haben Frauen sich oft hauptberuflich gekümmert: Um den Haushalt, aber auch die jungen, die alten und die kranken Mitglieder der (entfernten) Familie. Kostenlos versteht sich. Heute, da die Gleichberechtigung Gott sei Dank erreicht ist, machen es zwar immer noch zum großen Teil die Frauen, nur dass sie es jetzt neben einem Job schupfen.

Warum also sollte sich der Staat dafür einsetzen, dass sich hier etwas ändert? Würde man auf gerechter Arbeitsteilung bestehen, würde ja glatt jemand auf die Idee kommen, dass es gar nicht so einfach ist, neben einem Vollzeitjob einen Haushalt und womöglich noch Sorgearbeit für Verwandte unterzukriegen. Und möglicherweise würde man verlangen, dass der Staat hilft. Was das wieder kosten würde!

So zahlen wir stattdessen alle einen bitteren Preis. Auf der einen Seite die Frauen, in erster Linie mit Arbeitskraft, schlussendlich aber auch finanziell, weil ihnen irgendwann Pensionszeiten fehlen, weil man immer nur Teilzeit gearbeitet hat. Wegen der Kinder, der pflegebedürftigen Eltern.

Auf der anderen Seite aber auch Männer, wenn auch subtiler. Trotz Gleichberechtigung sollen sie immer noch schön viel verdienen, sonst seien sie nicht wirklich männlich genug. Ironischerweise bleibt Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerne auf der Strecke, wenn man gleichzeitig möglichst viel Geld machen soll.

Das hier ist deshalb keine Streitschrift gegen faule Männer. Es ist nur ein Hinweis, dass noch ein Stück des Weges für uns alle zu gehen ist. Dass Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist. Klar, der Staat sollte mehr dafür tun, etwa mit flexiblerer Kinder- und Krankenpflege. Ein guter Anfang um überhaupt ein Gefühl für die Problematik zu bekommen, wäre es auch, die Frauen, die man so kennt, zu fragen, ob sie das Gefühl haben, dass die Arbeit in ihrem Haushalt gerecht aufgeteilt ist. So wirklich gerecht.

Oder man hört sich mal um, warum manche Frauen nicht wissen, ob sie mal Kinder wollen. Mich persönlich ängstigt etwa mehr noch als Horrorgeschichten von Dammrissen und wenig Schlaf in den ersten 18 Jahren die Aussicht, sich allein kümmern zu müssen, obwohl man doch in einer Partnerschaft ist. Zu wissen, dass es nicht mein persönliches, sondern ein gesellschaftliches Problem ist, macht das Ganze noch um vieles Frustrierender.

Falls jetzt irgendwer jetzt klug fragt: Aber warum nimmst du dir keine Putzfrau, dann muss keiner der beiden Partner putzen? Ich kann nur entgegnen: Die Lösung des Problems ist nicht, dass statt Lena und Lukas nun Dragica putzt. Die strukturellen Probleme, die durch die mangelnde Gleichberechtigung entstehen, mögen zwar buchstäblich weniger sichtbar sein, wenn man nicht selbst die Flecken des Partners entfernt. Aber das grundlegende Problem, dass die Arbeit des einen wertvoll und die der anderen selbstverständlich ist, verschwindet auch nicht, wenn man sie in Chlorreiniger ertränkt.

9 Kommentare zu „Warum muss ich mehr putzen als mein Freund?

  1. Witzig. Immer noch so. Nach alle dem. Da kommt mir der Verdacht, dass mit der ganzen Struktur etwas nicht stimmt. Will sagen, solange Frauen und Männer in Paaren zusammen in einer Wohnung leben, wird sich das nicht ändern.

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    1. ja – wenn beziehung, dann getrenntes wohnen. mit kindern wird das schwierig, ich weiß. dann wäre ehr eine art selbst gewählte sippe angesagt. die vereinzelung der frauen in der kleinfamilie ist eine klar patriarchale erscheinung, und tut uns nicht gut. jede frau leidet und sucht die schuld erst einmal bei sich. wir landen da alle alle in der rolle als service einrichtung. das konnte ich erst nicht begreifen, und dann auch nicht lösen in meinem leben. ich denke nicht, dass es innerhalb einer wohnung für paare eine lösung gibt. täglicher kleinkrieg um den minimal konsens ist alles was geht. es geht nur mit grundsätzlich anderen strukturen. beziehungen und gesellschaft neu erfinden. jetzt, nach der familienzeit, lebe ich ohne beziehung und allein in einer wohnung. wie die meisten meiner freundinnen. keine von entspricht dem in medien vermitteltem bild der frau in der krise der wertlosigkeit und einsamkeit. zeit und energie für sich selbst zu haben ist wunderbar.

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      1. Ganz ehrlich: Ich würde wirklich gerne so viel mehr über diese Art zu leben erfahren und lesen! Wie du sagst: In den Medien sieht man Frauen, die allein leben, sehr oft anders. Etwa als „verrückte Katzenfrauen“ bzw. „Karrierefrau ohne Leben“. Und ich finde das so unendlich schade, weil ich glaube, dass sich Frauen einiges bieten lassen, was sie nicht täten, wenn sie wüssten, dass ein Leben allein erfüllt und schön sein kann.

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  2. Im Grunde genommen ist es doch eine Frage der Organisation. Und die ergibt sich aus der Gegegenbenheit.

    Wenn ich 10 Stunden täglich im Büro arbeite und meine Partnerin nur einen halben Tag arbeitet, wo ist das Problem, wenn in der Zeit die Hausarbeit erledigt wird. Ich setze mal voraus, dass es hier ein gemeinsames Ziel gibt, an dem man arbeitet.

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    1. Ich kann nur von mir selbst bzw. meinem Freundeskreis erzählen und dort arbeiten alle Vollzeit, es sind aber trotzdem die Frauen, die dann zuhause noch mal mehr eingespannt werden.

      Natürlich, man muss sich ausschnapsen, wer was macht. Aber mir scheint, dass vieles „runterfällt“, weil oft noch davon ausgegangen wird, dass die Frau halt mehr wuppt, weil sie dieses Haushalts-Ding besser kann. Da passt der Spruch „Er sieht den Dreck nicht“ ganz gut bzw. was ich öfter von Männern gehört habe „Meine Frau/Freundin hat da ganz andere Ansprüche“.

      Und: Ich bin nicht sicher, ob es nur eine Frage der eigenen Organisation ist. Eher scheint es mir sehr, sehr, sehr weit verbreitet.

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      1. Ich gebe Ihnen recht, aber das klärt man ja vorher, bevor man zusammenzieht und sein Leben gestaltet und nicht erst, wenn man darin steckt. Jeder sollte wissen woran er ist, was er erwarten kann und was nicht.

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  3. Liebe Ana, das ist ein toller Artikel, vielen Dank dafür. Es ist tatsächlich so. Die Frau muss mehr im Haushalt machen. Wir kriegen das seit Generationen so weiter vermittelt. Ich habe ein Kind, mein Mann arbeitet Vollzeit, ich Teilzeit. Ich kümmere mich um’s Putzen wenn man so will. Um die „Kleinigkeiten“, die einfach auch extrem viel Energie kosten. Von der Kindererziehung ganz zu schweigen. Es ist nicht so, dass mein Mann nichts macht. Aber halt auch nur, was ihm gefällt sag ich mal. Ich habe das Glück, dass er ganz gerne kocht z.B. Aber mit dem Aufräumen nach dem Kochen wird es schon schwieriger. Und auch mit den anderen Dingen, die so anfallen. Ich denke, dass man es einfach einfordern muss. Und einfach auch die Arbeit liegen lassen muss. Das ist halt schwer, weil man es natürlich selber gerne sauber hat. Auch dem Kind zuliebe und generell sollte man gewisse Hygiene-Standards bewahren. Dein Blog.Post ist einfach ein Tabu-Thema sag ich mal. Macht dann eh die Frau und am besten schweigt man drüber. Alles kein Problem….

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    1. Hallo Eva, ich finde es sehr bewundernswert, dass du die Mehrarbeit schulterst und dich dazu noch um dein Kind kümmerst. Das muss dich sehr viel Kraft kosten. Ich hoffe, dass sich eine Lösung findet, wie dein Mann dich mehr unterstützen kann.

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